Was hat Ihnen als Kind Schutz und Sicherheit gegeben? War es ein Ort, ein Mensch, oder ein bestimmter Gegenstand? Wir laden Sie ein, davon zu erzählen und Ihre Erinnerungen zu teilen. Machen Sie mit!

Was hat Ihnen in der Kindheit
Schutz und Sicherheit gegeben?

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Beiträge

Tarin18. April 2017

Natürlich meine Eltern.

Peter07. März 2017

Sicherheit? Gaben die Eltern, als ich 1950 - fast auf den Tag genau mit der Schloss-Sprengung - geboren wurde. Der Staat DDR? Schule, Mauerbau, Studium, Armee.

Widersprüche, bis heute nicht aufgelöst. Im Osten; alle Verwandten lebten in West-Berlin. Nach dem Mauerfall im Westen; bis zum Beginn des Schloss-Wiederaufbaus blieb oft kein Stein auf dem anderen. Auch mental.
Heute? Rentner mit Erinnerungen.
Zweite Ehe der Eltern nach dem zweiten Krieg des Jahrhunderts, nach schmerzhaften Trennungen-Scheidungen.
Nie wieder Krieg, aber mein Leben: von Militär und Aufrüstung bestimmt, zeitweise wegen Wohnungsknappheit mit Blick auf Mauer und Todesstreifen lebend.
Heute wachsen dort Gras und neue Häuser.
Über die Erinnerungen wächst seit langem Gras. Kind und Enkel - was wollen sie hören von dem kalten Krieg, der mein Leben war?

Krista, Jahrgang 1939 04. März 2017

In den 2. Weltkrieg hineingeboren. Vater wurde 1943 zum Volkssturm eingezogen. Als er noch mit Mutter und mir in Berlin lebte, ist er jeden Sonntag mit mir spazieren gegangen. Im Mai 1944, wenige Monate bevor mein mein jüngerer Bruder geboren wurde, hat er auf einem Heimaturlaub einen wunderbaren Spaziergang mit mir gemacht.

KRIEGS-MAI - DER BUCHFINK

Der Buchfink hat gesungen im maienhellen Wald.
All Winterleid verklungen und ringsum tönt und hallt
der Wald in lauter Freude, als gäb's nicht Leid noch Krieg.
Der Vater heimgekommen! Und aller Kummer schwieg.

Die hohen Buchen standen so feierlich vertraut,
Es wurde schöner nie ein Dom von Menschenhand gebaut.
Und ich im hellen Kleide ging still an seiner Hand.
Viel weiße Blumen blühten am grünen Wegesrand.

Ach Vater, sag, wer singt da, hoch oben im Geäst?
Mein Kind, das ist der Buchfink, der baute hier sein Nest.
Aus fernem Lande flog er ins Heimatland zurück,
er freut sich hier des Frühlings und singt vor lauter Glück.

Viel heitre Sommer gingen und viele Winter kalt.
Des Vaters liebe Stimme ist lange schon verhallt.
Doch fühl ich mich geborgen, in sichrem Aufenthalt,
hör ich den Buchfink singen im maienhellen Wald.

Norbert Kopec15. Februar 2017

Für meine Sicherheit war mir wichtig bei meiner Mutter zu Hause zu sein. Sowie mein Teddybär den man alles erzählen konnte, auch das was man bewusst falsch gemacht hatte und Muttern nicht erzählen konnte.

gerlinde.hempelmann15. Februar 2017

Ich war in einem Kinderheim untergebracht. Von dort holte mich meine Mutter am Sbd.-Abend zu sich. Bei einem dieser Besuche bei meiner Mutter mußte sie mich nachts ins Kinderheim zurückbringen, weil mir ihr Bett fremd war. Im Kinderheim standen zahl-lose Betten in einem großen Raum. Bei diesem Anlass war ich 3 Jahre alt und meine Erinnerung daran ist das "lange Treppenhaus mit den vielen Stufen, die meine Mutter mich weinend und schreiend auf dem Arm hinuntertrug.

N. G.14. Februar 2017

Bei mir zu Hause ging es oft turbulent zu. Wir Geschwister – vier Mädchen und ein Junge – erlebten eine bunte, manchmal auch spannungsreiche Kindheit. Schon allein den Alltag zu managen, war eine große Herausforderung. Als ich fünf Jahre alt war, fanden meine Eltern ein schönes Gartengrundstück im Norden Berlins, dass sie für die Familie pachten konnten. Wir Kinder halfen nach unseren Kräften beim Aufbau eines kleinen Wochenendhäuschens mit und ich erinnere mich gerne an die Sommerferien, die wir dort in größter Freiheit verbrachten. Neben der Liebe zur Natur haben meine Eltern uns Geschwister auch mit anderen ihrer Leidenschaften infiziert. Für mich gehörte schon sehr früh das Lesen dazu. Ich erinnere mich noch heute an das schöne Gefühl, wenn meine Mutter abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas, die sich in meiner Phantasie fortsetzte. Ich konnte recht schnell selber Märchen und Geschichten lesen, später kamen Abenteuerbücher und manches aus dem Bücherschrank meiner Eltern dazu, dass ich oft erst viel später verstand. Mit dem Lesen eroberte ich mir eine eigene Welt, in die ich mich zurückziehen konnte. Einige meiner Kinderbücher habe ich aufbewahrt. Dazu gehört das Buch „Mies mit den blauen Augen“, mein erster „Roman“. Die spannende Schilderung, wie die blauäugige Katze sich gegenüber den „normalen“ Katzen durchsetzt und die wunderbaren Illustrationen sind mir bis heute gegenwärtig.

Gast10. Februar 2017

Ich bin in den 80er und frühen 90er Jahren in einem winzigen Nordseebad mit 800 Einwohnern aufgewachsen. Ein Ort, an dem es, wenn um ein Uhr nachts die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet wird, wirklich dunkel ist und man unendlich viele Sterne sehen kann. Im Ort wohnten sehr viele Kinder in meinem Alter und wir waren eigentlich zu jeder Jahreszeit permanent draußen. Oft waren wir in einer Gruppe unterwegs. Das ganze Dorf war unser Spielplatz. Es gab wenig Verkehr und wir bewegten uns in einem Radius von 2-3 Kilometern zu Fuß oder mit den Rädern. Wir spielten in unseren Gärten, auf den Straßen, auf dem Schulhof der Schule, auf den Feldern, am Strand, auf den Bauernhöfen. Es gab eigentlich niemanden, den wir nicht kannten und wenn wir mal unbekannten Gesichtern begegneten, waren es Seebadtouristen, denen wir Kinder keine Beachtung schenkten. Das Dorf und seine Einwohner, alle Kinder und Erwachsenen, die mich umgaben, waren wie ein Kokon in dem ich mich uneingeschränkt frei bewegen konnte und nie Angst hatte. Ich erinnere mich nicht, dass ich meinen Eltern jemals sagen musste, wo genau ich hingehe. Die Aussage „Ich geh raus spielen“ war immer genug. Mit anderen Draußen-Sein bedeutete sicher zu sein.

Gast08. Februar 2017

Brumbi wurde mir zur Geburt von meiner Oma geschenkt und hat meine ganze Kindheit lang mit mir in einem Bett geschlafen. Ihm konnte ich immer alles erzählen, was ich den Tag über erlebt hatte oder wenn ich mich mit meiner Schwester gestritten hatte. Neben ihm konnte ich immer einschlafen. Heute sitzt er auf dem Regal und überwacht von dort die Lage. Meinen Kindern kann ich ihn leider nicht mehr geben, weil er an ein oder zwei Stellen von seiner sandigen Füllung verliert. Aber er ist ja auch schon alt.

Tina07. Februar 2017

Emotional habe ich in meiner Kindheit wenig Zuwendung erfahren. Ich bin Mitte der sechziger Jahre geboren und war ein ungewolltes Kind. Mein Vater verließ die Familie als ich zwei Jahre alt war - ich habe ihn nie kennengelernt. Meine alleinerziehende Mutter arbeitete im Schichtbetrieb in einer Fabrik, war unzufrieden mit ihrem Leben und beschäftigte sich kaum mit mir. Durch ihren Vollzeitjob war ich viel allein Zuhause. Da meine Mutter allerdings gern und gut kochte und es jeden Tag ein warmes Essen aus zumeist frischen Zutaten gab, aß ich gern und viel. Die Gewissheit und der Genuss dieser Mahlzeiten und die Tatsache, dass die Wohnung stets aufgeräumt war und "alles an seinem Platz stand", gaben mir Halt und halfen mir, das Alleinsein auszuhalten. Noch heute sind mir Ordnung und gutes Essen wichtig - insbesondere, wenn es mir nicht gut geht.

Ellen Walther04. Februar 2017

Kürzlich wurde ich im Rahmen eines Gasthörer-Projekts an der TU aufgefordert eine "Wohnbiografie" zu schreiben, also mein Leben vor dem Hintergrund der Räume, in denen ich gelebt habe. Dadurch ist mir klar geworden, welche Sicherheit mir mein Elternhaus als Kind gegeben hat. Ich bin in einem saarländischen Dorf groß geworden, wo sich Haus an Haus reiht, so dass nur die letzten einer Straße eine Giebelseite ihr eigen nennen können. Fast jeder Haushalt hatte in den fünfziger Jahren noch etwas Landwirtschaft, Scheune, kleine Ställe und meist große Gemüsegärten hinter dem Haus.
Es ist das Haus meiner Urgroßeltern mütterlicherseits: auch hier befindet sich hinter der straßenseitigen Scheune ein kleiner Stall mit einer Ziege, im Hof ein Gehege für die Hühner und etliche Kaninchenställe. Nach meiner Geburt wird das Haus von vier Generationen bewohnt: die Urgroßmutter hat in der ersten Etage, wo auch wir wohnen, zwei Zimmer. Meine Eltern und ich besitzen eine Wohnküche mit Kochküche und ein Schlafzimmer, meine Großeltern im Erdgeschoss eine große Küche, ein fensterloses Schlafzimmer und eine Wohnstube, die während der Nazizeit die Post des Ortes beherbergte. Das einzige Bad (immerhin Toilette, Wanne und Badeofen) teilen sich alle - es liegt hinter dem Ziegenstall im Scheunenteil des Hauses. Die betagte Urgroßmutter muss allerdings mit Hilfe eines Toilettenstuhls versorgt werden, da sie nicht mehr ins Bad hinunter laufen kann. Der Hof hinter dem Haus geht in einen langgestreckten Garten über, aus dem wir uns mit Gemüse selbst versorgen. Drei große Kellerräume helfen dabei, die Vorräte zu lagern und sind Werkstatt für die vielen Arbeiten, die im Haus getätigt werden müssen.
Dort habe ich 24 Jahre gewohnt, in deren Verlauf eigentlich ständig um- und ausgebaut, renoviert und saniert wurde. Insgesamt gibt es zur Zeit meiner Geburt sieben Zimmer, wovon zwei Wohnküchen sind, und ein Bad. Als ich das Haus 1977 verlasse, ist es auf drei Etagen ausgebaut, es gibt jetzt neun Zimmer, zwei Wohnküchen und drei Bäder. Das Schönste aber ist eine riesengroße Dachterrasse, die auf einem flacheren Teil des Daches entstanden ist, ca 40 qm groß. Sie ist nach Westen gelegen mit Blick in das Saartal und hinüber nach Frankreich. Die Zimmer sind alle groß, man kann sich aus dem Weg gehen, man kann Gäste beherbergen, Freunde einladen und Feste feiern Später habe ich fünf Jahre zur Miete gewohnt, danach wieder im Eigenheim, für das wir uns natürlich erst mal verschulden mussten. Auch durch meinen Mann, der in einer Berliner Mietwohnung groß geworden ist, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, welche Sicherheit ein eigenes unbelastetes Haus bietet, welche Unabhängigkeit von Willkür eines Besitzers oder Vermieters. Hinzu kam die Tatsache, dass wir zu einem großen Teil Selbstversorger waren. Im Nachhinein und vor dem Hintergrund der derzeitigen Situation von Mietern in Berlin verstärkt sich dieses Empfinden noch. Welche Bedeutung dieses Haus für mich hatte, wurde mir auch klar, als mein Bruder es übernommen und seinerseits noch weiter ausgebaut hatte. Als ich zum ersten Mal in seine Wohnung kam, also in die Räume, in denen ich Kind und Jugendlicher und Erwachsener war, hat es mir eine Stich gegeben, obwohl ich nicht im Entferntesten wünschte, dort noch einmal zu leben. Aber irgendetwas war jetzt unwiederbrindlich verloren. Natürlich, das muss ich zum Schluss sagen, ist dieses Haus nicht ohne meine Eltern zu denken, die es erst zu einem wirklichen "Elternhaus" gemacht haben.

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